Samstag, 14. September 2013

Lesung im Café Libresso: Essayismus und Wandern

Die Sommerpause, in der ich übrigens ein paar schöne Tage im August des Jahres 2013 in Wien verbringen durfte, ging am Sonntag, 8. September mit der Lesung im Café Libresso zu Ende.
Wir sind gerade im Zentrum des ersten Buchs des Romans angelangt: Im Kapitel 62 stellt Musil seine Lebenshaltung des Essayismus vor. Das Kapitel 62 ist genau in der Mitte des Romans, der 123 Kapitel hat. Das ist bei einem Autor wie Musil natürlich kein Zufall!


Im Sommer gab es in der Süddeutschen Zeitung eine kleine Reihe mit Glossen zu Musils "Mann ohne Eigenschaften", geschrieben von der Literaturwissenschaftlerin Inka Müller-Bach. In einem der Artikel weist sie auf die große Bedeutung hin, die das "Wandern" für Musils Roman besitzt. "Musils Protagonist ist ein Nachfolger der Wanderer, Irrfahrer und Labyrinthgänger der epischen Tradition". Musil in einer Wanderlesung zu Gehör zu bringen, ist dem Roman also auch inhaltlich sehr angemessen!

Freitag, 19. Juli 2013

Lesung am 16. Juli

Am 16. Juli fand in der Lengfeld´schen Buchhandlung, sozusagen dem Basislager der Wanderlesung,  die letzte Lesung vor der Sommerpause statt, die die bestbesuchte Veranstaltung des ersten Halbjahres war. Trotz sommerlicher Hitze draußen und tropischen Verhältnissen innen war die Buchhandlung voll!

Weiter geht es am 8. September im Café Libresso!

Bis dahin wünsche ich allen Mitwanderern eine guten sommer mit viel anregender Lektüre!

Mittwoch, 10. Juli 2013

Lesung am 8.7. , Neuigkeiten und Gedanken

Am 8. Juli war die Wanderlesung zu Gast im Antiquariat Unverzagt, einem Ort, den ich seit meinen Studientagen kenne und dem ich auch dadurch eng verbunden bin, dass ich im Unverzagt Verlag meine beiden bislang erschienenen Buchveröffentlichungen herausgegeben habe. (www.unverzagt.com)
Siegfried Unverzagt hatte es geschafft, seinen sonst von Büchern geradezu überquellenden Laden  freizuräumen, so dass das Publikum gut und bequem sitzen und hören konnte.



In der FAZ war am 6. Juli eine Rezension eines "Hörspiels" zum "Mann ohne Eigenschaften", das 2004 im Bayrischen Rundfunk produziert wurde und nun als CD vorliegt. 1160 Minuten Musil und eingeflochtene Kommentare, Interviews, Essays usw. Unter anderem mit einem Text von Elfriede Jelinek: "Mossbrugger will nichts von sich wissen". Der Text ist im Internet zu finden unter http://www.a-e-m-gmbh.com/wessely/fmoosbr.htm.
Der Rezensent kann sich des Reizes dieses "Remix" nicht entziehen, schließt aber dann doch mit dem Satz: "So mag trotz aller Verdienste der Höredition auch noch im digitalen Zeitalter für kein anderes Buch so sehr gelten: Lesen ist unersetzlich. Frei nach Ulrich: So zu lesen, wie man lebt."
Im diesem Sinne machen wir weiter mit der Wanderlesung!

Sonntag, 23. Juni 2013

Lesung am 20.6. und philosophische Ausflüge

 Die Lesung am 20. Juni bei dem Kölner Literaturverein "rhein wörtlich e.V." in den Räumlichkeiten von Bettina Hesse hat einen wunderbaren Einblick in die Seele (und Wesen) von Paul Arnheim und in unser aller Seelen geboten, neben den Schilderungen der ersten Sitzung der Parallelaktion inklusive einem Ausritt mit den beiden Pferden von Graf Leinsdorf, Hans und Pepi.

Nach der Lesung wurde in der Runde unter anderem darüber gesprochen, ob es heute, also hundert Jahre später noch den Typus von Arnheim im öffentlichen globalen Leben gibt. Mich erinnert er an Nicolas Berggruen, dessen öffentliche Persona einige Merkmale aufweist, die auch Arnheim besitzt.


                                          Gastgeberin und Vorleser

Als gelernter Philosoph bin ich an den philosophischen Implikationen des Romans besonders interessiert und habe deshalb mit Spannung einen Artikel gelesen, in dem der Einfluss von Musils "Mann ohne Eigenschaften" auf den Philosophen und Phänomenologen Bernhard Waldenfels behandelt wird:
Wolfgang Müller-Funk: Kursorische Lektüren: B. Waldenfels. Im Reisegepäck: Musils Der Mann ohne Eigenschaften, in: ders.: Die Dichter der Philosophen, Fink Verlag, München 2013

Obwohl, wie in einem relativ kurzen Artikel nicht anders zu erwarten, Dichter und Philosoph zu kurz kommen, war die Lektüre für mich sehr interessant. Inwiefern der Autor dem Philosophen, also Waldenfels nicht gerecht wird, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber es ist sehr spannend zu sehen, was mit Musil und dem MoE geschieht.
Es erscheint keineswegs unangebracht, den Roman, so wie Müller-Funk es macht, auf die spezifischen Fremdheitserfahrungen der Moderne hin zu bürsten, aber die Reduktion auf starke Thesen ruft in mir sofort das Gefühl hervor, dem Roman werde unrecht getan, weil er sich gerade nicht zu solchen philosophischen Thesen destillieren lässt. Das ist natürlich ziemlich banal, aber ich denke, man muss sich klar machen, dass nur dieses Vorgehen erlaubt, später zu den vier kulturellen Strategien zu gelangen, von denen am Ende des Artikels die Rede ist.

Mit diesen Strategien wird in der Moderne laut Waldenfels versucht, dem drohenden "Ordnungsschwund" zu begegnen. Diese Strategien hier genauer vorzustellen, führt zu weit, sie sollen aber helfen, das "eigene Fremde" zu bewältigen oder "besser: es symbolisch zu bearbeiten". (Fremdheit ist einer der zentralen Themen im Werk von Waldenfels.)

Diese Strategien passen in den philosophischen Diskurs, aber sie gehen, wie ich finde, an einigen zentralen Aspekten des Romans und Musils Denken achtlos vorbei. Musils Versuche, mit der Moderne und seinen Verwerfungen in und um den Menschen umzugehen, sind mit den vier Strategien nämlich längst nicht ausgeschöpft. Einmal ist das Schreiben des Romans selbst ein Versuch, die Zersplitterung der Welt (und die damit einhergehende Fremdheit in ihr) aufzufangen und umzuformen. Ein gescheiterter Versuch, aber was heißt das schon im literarischen Umfeld? Außerdem kommt Musil sehr oft an Stellen, wo es um diese Fremdheit geht, auf die Liebe zu sprechen. In Kapitel 40 z.B. schreibt er, nachdem er sozusagen das Wesen des Geistes in der Moderne seziert hat und erkannt hat, wie dieser Geist Ulrich daran hindert, wirklich ins Leben einzusteigen: "Und Ulrich wußte selbst nicht warum, aber er wurde mit einemmal traurig und dachte: “Ich liebe mich einfach selbst nicht“. In dem erfrorenen, versteinten Körper der Stadt fühlte er ganz zu innerst sein Herz schlagen."
Das sind Sätze, die man philosophisch nicht schreiben kann, die aber Zusammenhänge andeuten, die im Zentrum des ganzen Romans stehen. Ähnlich übrigens im Kapitel 45, wo er sich die Seele vornimmt und wieder die Liebe anbringt als einzige Situation, in der die Leere, die wir mit uns herumtragen, sich füllt.

Und davon abgesehen ist für den Roman die Idee des anderen Zustandes, eines inneren Zustandes, der die Abgetrenntheit und Fremdheit in einer Art Satori-Erlebnis aufhebt, entscheidend. Auch dem kann man sich nur sehr schwer philosophisch nähern, deshalb versucht Musil es auch literarisch, gipfelnd in dem Kapitel "Atemzüge eine Sommertages", in dem er den mehrmals angesetzten Versuch unternimmt, ein solches Erlebnis in Worte zu fassen. Wieder scheiternd, wieder gerade deshalb Weltliteratur schreibend.

Freitag, 7. Juni 2013

Lesung bei HBW merchandise in Köln Deutz

Am 6. Juni fand die Wanderlesung von Kapitel 40 bis 42 des "Mann ohne Eigenschaften" in den Räumlichkeiten von HBW merchandise und Jochen Bebendorf statt. Die Zuhörerschaft bestand aus einem großen Teil des "harten Kerns" von Mitwanderern und ein paar neuen Gästen, die gemeinsam genossen zuzuhören, wie Ulrich verhaftet wurde, wie Rachel, die junge Kammerzofe in einer moralisch-erotischen Beziehung zu ihrer "Herrin" Diotima steht und wie die erste Sitzung der Parallelaktion beginnt.

Hier ein paar photografische Eindrücke der Lesung. Nachhören kann man sie wie immer auf soundcloud.com.






Montag, 3. Juni 2013

Interview in Mosaik

Am Montag, dem 3. Juni gab es in der WDR 3-Sendung Mosaik ein Interview mit mir zu der Musil-Wanderlesung. Für die Mitwandernden sind darin keine großen Neuigkeiten zu erfahren, aber vielleicht gibt es ja Interesse, das Gespräch zu hören. Das ist der link:
http://www.wdr3.de/literatur/ralfpeters108.html

Montag, 27. Mai 2013

Lesung am 24. Mai

Vielleicht war die Lesung am 24. Mai im Haus des Kölner Architekten Fidelis Weinert die textlich bislang anspruchsvollste. Die Kapitel 36 bis 40 (erster Teil), die ich vorgetragen habe, haben es in sich und es gibt darin relativ wenig Phasen zum Entspannen und Ausruhen. Die Aufmerksamkeit wird fast durchgehend aufgefordert, wach zu bleiben. Dabei ist es grandios, wie Musil das Klavierspiel von Walter und Clarisse seziert und den Geist Clarissens in Worte zu fassen versteht. Oder wie  faszinierend ist es, Ulrich dabei zu begleiten, wie er versucht, sich selbst zu verstehen. Nachlesen lohnt sich also.

Der Abend klang bei gutem Weißwein in der Küche aus. Für den kleinen verwunschenen Garten war es leider zu kalt.

noch lacht der Vortragende....